Vor genau einem Jahr …

ISLAND_TRACK_LAVAFELD

Dieses Bild besteht aus der Satellitenaufnahme von Google Earth und einem Overlay das vom Radarsatelliten TerraSAR-X des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt aufgenommen wurde. In blau dargestellt ist unser Track von 2013 und in rot dargestellt der Lavazuwachs vom 4. bis zum 15. September. Overlayquelle: DLR

… stand ich mit Sascha im Hochland von Island und zwar genau dort, wo jetzt gerade in beachtlichen Fontänen die Lava aus dem Boden spritzt. Es war unser dritter Tag auf Island, der zweite im Hochland und zudem war es sicher auch einer der anstrengendsten auf der Reise. Wir waren erst nach Mitternacht an der Askja angekommen und ziemlich erschöpft. Aber die Aussicht auf ein Bad in der warmen Caldera der Akja ließ uns am nächsten Morgen trotzdem früh aufstehen und den Aufstieg zum Kratersee beginnen. Auf einem kleinen Trail wanderten wir einige Stunden bergauf. Dann standen wir vor dem riesigen See, der allerdings kalt ist. Nur sein kleiner Bruder, der Víti-See, erreicht eine Temperatur von über 20 °C. Der Weg dorthin wurde uns dann allerdings doch zu weit, da wir noch eine 20 km Schiebestrecke zu bewältigen hatten. Doch dazu später mehr.

Öskjuvatn - so heißt der Kratersee der Askja.

Öskjuvatn – so heißt der Kratersee der Askja.

Als wir den Vulkan wieder hinunterstiegen eröffnete sich uns ein spektakulärer Blick auf die Landschaft, die ihn umgibt. Auch wenn hier alles aus Lava besteht, ist sie weder langweilig noch trostlos. Es ist unglaublich, wie viele Formen und Farben die Lava annehmen kann und es war nicht schwer zu erkennen, dass wir uns in einem vulkanisch sehr aktiven Gebiet befanden. Aber dennoch, bis auf den Wind war hier alles sehr ruhig.

Lava in jeder Form und Farbe.

Lava in jeder Form und Farbe.

Das allerdings sollte sich schon in der Nacht vom 23. auf den 24. Juli 2014 ändern, als 50 Mio. m³ Gestein abglitten und mehr als 50m hohe Tsunamis im Öskjuvatn auslösen. Als Ursache wurde zunächst eine Destabilisierung des Untergrundes durch starkes Tauwetter angenommen. Mittlerweile diskutieren Wissenschaftler allerdings auch über einen möglichen Zusammenhang mit dem Ausbruch des Bárðarbunga.

Uns beschäftigte beim Hinuntersteigen allerdings nicht so sehr ein eventueller Ausbruch sondern viel mehr die mehr als 20km lange Strecke durch weichen Vulkansand. Noch dazu brieste gerade der Wind auf und ließ am Horizont bereits erste Sandstürme erkennen.

Während an der Hütte der Varden, der isländischen Nationalparkranger, gerade eine französische Gruppe mit Landrovern ankam, die bereits einige Probleme hatte, ihre Zelte im Wind aufzustellen, packten wir zusammen und legten unsere Pulkagurte an, mit denen wir die Räder ziehen wollen, um die Arme und Schultern zu entlasten. Die F910, die Höchstgelegene Piste Islands der wir weiterhin folgten führte uns nun durch das Lavafeld Holuhraun, jenes Lavafeld, auf dem seit dem 28. August 2014 aus einer 300m langen Spalte Lava austritt.

Nichts als weicher Lavasand und wir mitten drinn.

Nichts als weicher Lavasand und wir mitten drin.

Wir sahen zunächst jedoch nichts von Lava sondern kämpften uns Schritt für Schritt durch den weichen Sand. Das wir vorankommen, war nur an den gelben Pins die alle paar hundert Meter zur Streckenmarkierung standen und an der Geschwindigkeit auf dem Tacho, die meist deutlich unter 3 km/h blieb zu erkennen. Ab und an, wenn der Sandsturm gerade etwas nachließ, konnten wir einen Blick auf den Vatnajökull, den größten Gletscher Islands erhaschen. Dann verschwand wieder alles in einer grauen Suppe. Mittlerweile hatten wir überall Sand, die Augen tränten vom Staub und es sollte bald Dunkel werden. Außerdem hatte sich die Landschaft etwas geändert. Es lagen nun überall Lavabrocken herum, mit denen wir das Zelt gut sichern konnten. So beschlossen wir hier zu bleiben.

Zelten in der Lavawüste wenige hundert Meter von der Ausbruchstelle entfernt.

Zelten in der Lavawüste wenige hundert Meter von der Ausbruchstelle entfernt.

Es war eine ruhige Nacht, doch ein Jahr später bricht unweit von unserem Zeltplatz die Hölle los, die jedoch sehr schön anzuschauen ist. Die F910 ist dadurch erst einmal unterbrochen und die ganze Gegend für Reisende sowieso gesperrt.

Wären wir ein Jahr später gefahren, hätten wir die Tour so definitiv nicht durchführen können, wie es im nächsten Jahr aussehen wird, bleibt abzuwarten. Vielleicht wird die Befahrung der F910 für künftige Reisende deutlich einfacher, denn auch auf grober Lava kommt man schneller vorran als im weichen Sand. Vielleicht kommt es aber auch zu einem noch größeren Ausbruch des Bárðarbungas, was weitreichende Veränderungen der Landschaft zur Folge haben könnte. Es bleibt spannend … .